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Er gehört zu den bekanntesten privaten Stellplatzbetreibern des Landes: Wilfried Wagner machte innerhalb von fünf Jahren aus einem verkommenden Dauer-Campingplatz in Holzminden an der Weser ein erfolgreiches Mobilcamping – ein Gespräch über den Arbeitsalltag eines Stellplatzbetreibers und den steinigen Weg zum Erfolg.
Frage: Herr Wagner, es ist kurz nach 7.00 Uhr morgens, was machen Sie gerade?
Wilfried Wagner: "Gehe gerade mit meinem Hund „Lodda“ spazieren, und danach geht’s auf nach Holzminden."
Frage: Anders gefragt: Was würden Sie denn sonst um diese Zeit tun, wenn wir jetzt nicht Anfang Februar, sondern Anfang April hätten?
Wilfried Wagner: "Da würde ich gerade das zweite Frühstück zu mir nehmen. In der Saison ist um vier Uhr die Nacht vorbei: Erst Gassi gehen, dann geht’s von Zuhause nach Holzminden und das ist ja immerhin 40 Kilometer entfernt. Um 5.30 Uhr bin ich beim Bäcker und hole die Brötchen ab und um sechs Uhr verteile ich die Brötchen an meine Gäste."
Frage: Was heisst das konkret? Wie viele Brötchen bringen Sie an einem guten Wochenende im Frühjahr morgens ans Mobil?
Wilfried Wagner: "Jeder Gast kann am Vortag seine Brötchen bei mir bestellen und zwar nicht nur eine Sorte, sondern auswählen zwischen 15 verschiedenen Sorten. Im Morgengrauen werden die Brötchen eingetütet, und dann bringe ich sie vor jedes Wohnmobil. Alles in allem sind das so etwa 500 bis 600 Brötchen. Pro Tag. An Spitzentagen zu Ostern oder Pfingsten können es aber auch schon mal über 1000 Brötchen sein."
Frage: Sie könnten es natürlich auch so machen wie viele andere und morgens eine halbe Stunde einen Bäckerwagen am Platz parken lassen. Warum so viel Mühe und Aufwand?
Wilfried Wagner: "Meine Freundin ist nun einfach so stressig, da genieße ich es, wenigstens am frühen Morgen mal ein bisschen Ruhe zu haben – nee, natürlich nicht. War bloss ein kleiner Scherz am frühen Morgen. In Wirklichkeit halte ich das ganz einfach für einen guten Service, und kein Gast kann sich beschweren, dass die Brötchen zu spät kommen oder zu früh. Sie können in aller Ruhe ausschlafen, und das Frühstück liegt trotzdem vor der Tür."
Frage: Das Mobilcamping in Holzminden ist bekannt für seinen tollen Service, die Grillfeste, Brauereibesichtigungen und für viele, viele andere Annehmlichkeiten. Machen Sie das alles alleine?
Wilfried Wagner: "Das meiste schon. Aber es gibt schon viele, die mich dabei auch unterstützen. Auf diesem Weg ein dickes Dankeschön an alle Kumpel und Stammgäste, die mir immer mit Rat und Tat zur Seite stehen."
Frage: Andere Stellplatzbetreiber setzen für das Kassieren der Gebühren auf Schranken oder Automaten, bei Stromsäulen auf Münzen, bei Buchungen auf das Internet. In Holzminden ist das alles auf Sie zugeschnitten. Kann das auf die Dauer gut gehen?
Wilfried Wagner: "Mein Stellplatz zeichnet sich ja gerade durch diesen persönlichen Service aus. Natürlich ist das viel Arbeit, aber es zahlt sich aus. Wichtig ist, immer die Augen und vor allem die Ohren aufzuhalten. So bekommt man zu vielen Gästen einen persönlichen Kontakt. So gesehen gibt es bei mir eigentlich keine Kunden, sondern nur Freunde. Ob das auf die Dauer gut geht – natürlich, schließlich bin ich gerade erst 30 geworden und stehe voll im Leben."
Frage: Bei sieben Arbeitstagen in der Woche bleibt da eigentlich überhaupt noch Zeit für Freundin, Familie oder Fußball?
Wilfried Wagner: "Sicherlich oft viel zu wenig. Muss mich da bei meiner Lebensgefährtin Bianca wirklich bedanken - sie muss schon vieles in Kauf nehmen. Den Großteil des Jahres habe ich eine Sieben-Tage-Woche, ohne ihre Unterstützung ginge es nicht. Und auch für den Fußball fehlt eigentlich die Zeit. Aber zwei Stunden Pause am Samstag müssen einfach sein, ich will und darf ja nicht verpassen, wie wir endlich mal wieder Deutscher Meister werden!"
Frage: Gelegentlich frotzeln einige Ihrer Gäste über Ihren neuen Wagen. Können Sie da überhaupt noch mitlachen?
Wilfried Wagner: "Ja, natürlich. Die Sparkasse fragt schließlich auch jeden Monat an, ob es mir auch gut geht. Mal im Ernst: Ich fahre jeden Tag 100 Kilometer, bei Wind und Wetter, nachts oder ganz früh am Morgen. Da braucht man schon ein zuverlässiges, sicheres Auto. Außerdem interessiert es mich bei meinen Gästen ja auch nicht, wie teuer ihr Wohnmobil war und ob sie noch einen oder zwei Pkw zu Hause stehen haben."
Frage: Und was steht in der ruhigen Phase vor dem Saisonstart bei Ihnen jetzt noch alles an?
Wilfried Wagner: "Im Winter habe ich mir eine kleine Auszeit genommen, war ein paar Tage in Dubai und auf einen Sprung in Tschechien. Das muss einfach mal sein, um die Akkus für die neue Saison aufzuladen."
Frage: In der Gründungsphase eines Unternehmens hat man wohl kaum eine andere Wahl? Wie aber wollen Sie Ihren Stellplatz in, sagen wir, weiteren fünf Jahren führen?
Wilfried Wagner: "Die Zeiten werden bestimmt auch in unserer Branche nicht besser. Da heisst es meiner Meinung nach, immer etwas besser werden, auf persönlichen Service setzen, den Platz verbessern und attraktive Veranstaltungen auf die Beine zu stellen, Alles andere kommt dann von ganz alleine."
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